Sind MOOC-Teilnehmer digitale Exhibitionisten (2)

Ja, ich gebe es zu, das war ein reisserischer Titel, beschreibt aber ein Dilemma, wie wir in einer sehr interessanten Session auf dem CorporateLearningCamp diskutiert haben.

In einem MOOC (Massive Open Online Course) lerne ich in der Öffentlichkeit. Nun ja, bei einer Google-Suche wird mein Beitrag sicher nicht gleich auf einer ersten Seite erscheinen, aber “nichts ist unmöglich” (fallt das schon unter das Leistungsschutzrecht?).

Bei dem OPCO11-Kurs, bei welchem ich mich sehr aktiv beteiligt habe, habe ich mir zum Bloggen einen Posterous-Account zugelegt, aber zusätzlich natürlich auch über meinen “normalen” Twitter-Account getwittert. Dadurch konnte jeder, der es wollte, nachlesen, was so meine (unausgegorenen) Ideen waren und die Kommentare dazu lesen und eigene abgeben.

Das führt zu dem ersten Stichwort der Session “Wie gehen MOOCs mit “Kontrollverlust” um?” Kontrollverlust meint: Ich habe keine Kontrolle mehr darüber wer was über mich in welchem Medium sagt.

  • Ob es Lügen sind oder die Wahrheit spielt keine Rolle
  • Ob Worte aus dem Zusammenhang eines informellen Gesprächs gerissen werden oder ob es wohlformulierte Sätze auf einer öffentlichen Veranstaltung waren
  • Ob ich diese Inhalte lanciert habe oder ob sie durch Zufall aufgegriffen wurden

Wir wissen (eigentlich), dass immer irgendjemand ein Handy mit Aufzeichnungsmöglichkeit dabei hat. Damit ist schon klar, dass das Gesprochene digital zur Verfügung stehen kann und wenn einmal verbreitet, nicht mehr aus der Welt = dem Internet zu löschen ist. In einem MOOC gehen wir sehr weit, wir diskutieren Standpunkte, veröffentlichen eigene Texte/Gedanken, die häufig noch nicht richtig ausformuliert sind, wir “lernen” ja noch. Und das steht alles online, öffentlich für alle.

Notizen aus der Session (FlipChart)

  • keine Trennung zwischen privat und öffentlich
  • Unterschied, ob ich eine Verabredung verpasst habe, weil ich nicht in FaceBook bin, oder ob ich beim Wissen online abgehängt werde.
  • ich meine, ich denke, ich überlege (29.9., 21:07: war hatte ich damit gemeint :-))
  • sowie ich etwas im Internet veröffentliche, habe ich die Chance mich zu blamieren
  • die Entbößung relativiert sich mit der Menge der Tweets
  • Beton wächst nach!
  • Wo lerne ich mit den Werkzeugen richtig zu arbeiten

Weitere Notizen stehen öffentlich auf der Wiki-Seite der Session (siehe Link oben). Hier sind auch schon kritische Stimmen (ich denke eher 1 Stimme) erschienen, die mit Anmerkungen nicht spar(t)en.

Beispiel

Notiz: Ich zeige, dass ich denke
Kommentar im Wiki: “Das ist gerade der Denkfehler: Digitale Exhibitionisten zeigen durch ihre Aktivitäten im Netz häufig, dass sie NICHT nachgedacht haben, bevor sie bestimmte Dinge publizieren”

Doch hier sprechen wir über gemeinsames Lernen und da gehört es doch dazu, dass man auch Unfertiges in die Diskussion wirft um aus den anderen Beiträgen zu Lernen. Der Kommentar zeigt mir aber nun, dass meine unfertigen Ideen zu klaren Aussagen umgemünzt werden können. Muss ich jetzt zu Beginn eines Blogbeitrags in einem MOOC eidesstattlich versichern, dass dieser Beitrag zu einem Kurs gehört und meine Überlegungen widerspiegelt, aber noch unreif ist?
Wir wissen, wie durch ein unbedachtes Wort ein Shitstorm ausgelöst werden kann.

Dieses Thema wird uns noch eine Weile erhalten bleiben, den es wäre ja langweilig, wenn in den MOOCs immer nur die gleichen digitalen Exhibitionisten teilnehmen würden und andere aus Angst zu viel von sich preiszugeben nur mitlesen würden.

See you online – in einem der nächsten MOOCs!

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