Virtuelle Welten

Im Handelsblatt vom 20.7.: "Das weltweit renommierteste Trendforschungsinstitut Gartner rechnet damit, dass bis 2011 schon 80 Prozent aller Internetuser als Avatare (vom User entworfene Figuren) in virtuellen Welten unterwegs sein werden." Dies sind nur noch 4 Jahre. Wird sich die Internetnutzung in dieser Zeit wirklich so radikal verändern? In  meinen Augen beinhaltet dies nicht nur eine Änderung der Interneunutzung sondern auch der generellen Kommunikation. Wenn ich mich im Internet als Avatar mit einem Fantasienamen bewege, dann spiele ich den Anderen eine andere Person vor. Dies kann im Freizeitbereich sicher eine nette Unterhaltung sein, aber im Geschäftsleben? Da sind mir reale Namen und Firmen sehr wichtig. Auch die Jobsuche unter einem Pseudonym, wie in dem Artikel angesprochen, ist auch nur in bestimmten Fällen (ich bin in ungekündigter Stelle) interessant. Als Personalsuchende wäre ich einem Avatar mit Fantasienamen gegenüber äußerst skeptisch. Was, wenn sein/ihr Lebenslauf auch der Fantasie entspringt? Für die Welt der Kreativen, der Weblandschaftenprogrammier mag dies ja annehmbar sein, aber einen Ingenieur der Verfahrenstechnik, Maschinenbaus oder ähnlichem suche ich nach lieber nach "First Life"-Daten. Doch wie steht es denn mit dem Erfolg von Weiterbildung in Second Life? Hier wird wohl der große Durchbruch noch auf sich warten lassen. Aktuell ist es schon nicht möglich eine allgemein gültige Aussage zu eLearning zu machen. Da sind zum einen Unternehmen, in welchen eLearning wirklich eingesetzt wird, akzeptiert ist und seinen Platz in der Aus- und Weiterbildungslandschaft gefunden hat. Da sind die anderen Unternehmen, bei denen aus welchen Gründen auch immer, eLearning bisher gescheitert ist. Und da sind weiterhin die vielen Unternehmen und Bildungsorganisationen, die Online-Medien und Online-Kommunikation noch gar nicht einsetzen. Hier haben virtuelle Welten noch einen weiten Weg zu gehen - wie mein Avatar in Second Life. Ich wollte einfach mal schnell die Weiterbildungsszene in Second Life besuchen, aber ich habe zumindest heute noch kein interessantes Angebot gefunden! Sicher können virtuelle Welten in einigen Fällen eine sehr gute Bereicherung im Lernprozess darstellen. Doch auch hier gilt wie bei dem Einsatz jedes Mediums, dass der Lehrende zunächst einmal die Technik begreifen und kennen muss, um einen passgenauen Einsatz zu sichern.
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One Response to Virtuelle Welten

  1. Vier Jahre sind ziemlich kurz. Zumindestens wenn das Tempo des Handelsblatts angelegt wird. Die Meldung von Gartner stammt nämlich schon vom 24.04.07.
    😉

    Apropos: Bei der Suche nach guten Live-Online-Trainings im Internet gibt es auch nicht die große Menge an guten Angeboten und das Internet existiert schon über 20 Jahre. Das Wesentliche findet auch hier hinter den Kulissen statt.

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