Live-Online-Lernen erinnert sehr an ein Präsenzseminar, da alle Anwesenden miteinander sprechen können. Daraus wird häufig geschlossen, dass Präsenzseminare einfach in den VC verlegt werden können und dies eLearning ist. Rein technisch gesehen ist dies sicherlich korrekt, aber damit werden die Vorteile des eLearning nur in einem schmalen Band genutzt. Es werden Reisekosten und Zeit gespart, aber die Vorteile einer stärkeren Nachhaltigkeit und besseren Lerntransfers bleiben ungenutzt, desgleichen die Einbindung unterschiedlicher Medien zur Ansprache der verschiedenen Lerntypen.
Zur Erläuterung soll uns eine Software-Schulung dienen, die auf 1 Tag ausgelegt ist. Dieses bisher als Präsenzseminar durchgeführte Angebot wird in den VC verlegt. Mit Pausen dazwischen wird den ganzen Tag im VC unterrichtet. Dies fordert nicht nur die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sondern auch die Trainer sehr stark, da die komplette Kommunikation über den Bildschirm und das Headset läuft. Häufige Pausen und Übungsphasen sind hier ein unbedingtes Muss. Vielfach werden, wie bei einem Präsenzunterricht zu viele Informationen gegeben, ohne den Teilnehmern die Möglichkeit zu bieten, diese auch verarbeiten zu können.
Sinnvoller erscheint hier ein Konzept, das die Live-Online-Zeit entzerrt, so zum Beispiel eine Vormittagssitzung zur Einführung enthält in welcher eine Aufgabe gegeben wird, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur zweiten Sitzung – am Nachmittag – lösen müssen. Diese Aufgabe wird mit Materialien zum Selbststudium begleitet (Simulation der Software, WBT, Dokumentation etc.). In der zweiten Sitzung am Nachmittag werden Lösungswege besprochen, Fragen behandelt und diskutiert und Themen vertieft. Ergänzend kann die Trainerin bzw. der Trainer während des ganzen Tages im VC erreicht werden, um so auf aktuelle Fragen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen einzugehen.
Eine Live-Online-Sitzung sollte die Vorteile des Live-Online-Lernens aufnehmen und verstärken: direkte verbale Kommunikation, ac-hoc Beantwortung und Diskussion von Fragen, Austausch zwischen den Teilnehmern. Kombiniert mit den Vorteilen des asynchronen Lernens (zeitunabhängigkeit) werden die besten Resultate erzielt.
Ein weiterer Aspekt ist die Frage nach der Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Eine Live-Online-Sitzung mit 50 Teilnehmern ist ein Broadcasting, das stark an eine Fernsehsendung erinnert. Es ist eine Ein-Weg-Kommunikation, aber kein miteinander lernen und arbeiten. Sicher hat diese Informationsvermittlung ihre Berechtigung (wie auch eine Vorlesung), aber gelernt wird unter Seminarbedingungen mit ca. 8 Personen.
Der virtuelle Klassenraum ist ein Raum zur Kommunikation, zum Trainieren und Reflektieren. Für eine reine Vorlesung eigentlich zu schade.




