Weblogs und informelle Kommunikation

Viele Unternehmen sehen sich in einem Dilemma. Sie müssen ständig ihre Mitarbeiter, Partner, Kunden und Interessenten informieren und schulen. Sie möchten auch, dass ihre Mitarbeiter sich untereinander austauschen, um so das Wissen weiterzugeben und im Unternehmen zu halten. Nun gibt es den Hype um Weblogs, Wikis und all die schöne "Social Software". Installiert ist ein Blog oder Wiki schnell. Doch dann folgt in der Regel die Ernüchterung. Wo sind die Nutzer? Sind die anscheinend gar nicht so mitteilungsfreudig?

Ja, und nein. Betrachten wir zwei Rahmenbedingungen:  Zunächst einmal versuchen wir etwas, das eigentlich nicht funktionieren kann: informelles Lernen bzw. informelle Kommunikation zu institutionalisieren. Damit entfällt der informelle Charakter und vielfach die Attraktivität. Es kann auch Mitarbeitern nicht als schöner neuer offener Kommunikationskanal verkauft werden, wenn bislang die Kommunikation sagen wir einmal dezent: ausschließlich formell lief. Hier muss sich erst Vertrauen entwickeln.  Ein weiterer Aspekt liegt in der Ausrichtung der Zielgruppe. Welcher Zunft gehören die aktiven Weblog-Autoren an und wen wollen Sie erreichen? In den meisten Fällen (ich habe leider keine Statistik parat) werden dies Journalisten, Geisteswissenschaftler, Marktingexperten etc. sein - in den wenigsten Fällen Personen aus dem technischen Umfeld und noch weniger aus der Schicht der Facharbeiter.   Was tun? Die Idee entsorgen?  Nein, aber der Einsatz muss - wie immer - zielgruppengerecht vorbereitet und durchgeführt werden und auf die sonstigen Rahmenbedingungen angepasst werden. Informelle Kommunikation lässt sich nicht erzwingen und in einer vom Unternehmen "kontrollierten" Plattform nur in Ausnahmefällen aufbauen.  Betrachten wir ein Beispiel eines Konzerns mit einer großen Trainingsabteilung. Viele Trainerinnen und Trainer, vorwiegend für technische Themen zuständig, sollen sich stärker vernetzen. Erfahrungsaustausch und bessere Kommunikation sind das Ziel. Ein Weblog alleine wird die Kommunikation nicht erhöhen, auch wenn Zugriffszahlen belegen, dass der Blog gelesen wird. Die Beteiligung beschränkt sich auf passives mitlesen. Wenn die Zielgruppe selbst schreibfaul ist, dann muss der professionelle Schreiber ran. Regelmäßige Interviews von Personen der Zielgruppe zu ihren Erfahrungen und Projekten ist eine Möglichkeit die Attraktivität zu erhöhen und auch Kommentare zu forcieren. 

Lassen Sie uns dieses Thema auf den nächsten Stammtisch am 02.02.2007, 15:00 Uhr diskutieren. Ich freue mich schon auf Ihre Beiträge.

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